Im Winter kämpft man gegen einen Kleber, der hart wie Harz ist und sich keinen Millimeter bewegen will. Im Sommer ist das Gegenteil das Problem – der Kleber ist so weich geworden, dass er sich beim Ablösen in Fäden zieht und flächige Rückstände auf der Scheibe hinterlässt.
Sommerhitze verändert das Verhalten des Klebstoffs grundlegend. Wer das weiß, kann die Entfernung entsprechend anpassen. Wer es nicht weiß, wundert sich über eine klebrige Sauerei, die so nicht erwartet wurde.
Was Hitze mit dem Kleber macht
Die Windschutzscheibe eines in der Sonne geparkten Autos kann sich auf 60 bis 80 Grad aufheizen. Bei diesen Temperaturen wird der Klebstoff der Umweltplakette weich und verliert an Kohäsion – er hält zwar noch, ist aber nicht mehr fest. Das klingt nach idealen Bedingungen zum Ablösen, und teilweise ist es das auch.
Das Problem: Ein sehr weicher Kleber reißt beim Abziehen nicht sauber ab, sondern dehnt sich und bleibt in dünnen Schichten oder Fäden auf der Scheibe. Was bei 20 Grad in einem Stück abgegangen wäre, hinterlässt bei 40 Grad Außentemperatur manchmal mehr Arbeit als vorher.
Wann Hitze hilft
Für das Ablösen der Plakette selbst ist moderates Anwärmen hilfreich – das gilt im Sommer wie im Winter. Wer das Auto kurz in der Sonne stehen lässt, bevor er die Plakette entfernt, profitiert von einem weicheren Kleber und kann die Plakette oft mit weniger Kraftaufwand abziehen.
Der ideale Zustand ist warm, aber nicht heiß. Scheibe handwarm – das entspricht in etwa 35 bis 45 Grad – ist besser als eine Scheibe, die man kaum noch anfassen kann.
Wann es schwieriger wird
Bei sehr hohen Temperaturen, etwa nach stundenlangem Parken in der prallen Mittagssonne, ist der Kleber so weich, dass er sich beim Abziehen dehnt statt zu reißen. Das Ergebnis sind flächige Klebereste, die sich schwerer abreiben lassen als verhärtete Rückstände.
In diesem Fall lohnt es sich, kurz zu warten – entweder bis das Auto etwas abgekühlt ist, oder die Entfernung in den frühen Morgen oder Abend zu legen, wenn die Scheibentemperatur moderater ist.
Klebereste im Sommer behandeln
Weiche, sommerhitzebedingte Klebereste reagieren gut auf Isopropanol oder Speiseöl. Da der Kleber ohnehin schon weich ist, braucht es weniger Einwirkzeit als im Winter. Ein getränktes Tuch kurz auf die Stelle legen, dann mit leichtem Druck abreiben – das reicht in den meisten Fällen.
Was im Sommer weniger gut funktioniert: mechanisches Abschaben mit dem Schaber ohne vorherige Behandlung. Weicher Kleber verteilt sich beim Schaben eher, als dass er sich sauber abhebt. Lösemittel zuerst, Schaber danach.
Wer das genaue Gegenteil kennenlernen möchte – Entfernung bei Kälte, wenn der Kleber hart und spröde ist – findet dazu eine ausführliche Einschätzung in unserem Artikel zur Umweltplakette bei Kälte entfernen. Die Herausforderungen sind dort grundlegend andere, aber die Lösung folgt einer ähnlichen Logik: erst die Klebstofftemperatur anpassen, dann ablösen.
Ein praktischer Hinweis zum Schluss
Wer im Hochsommer plant, die Plakette zu entfernen, sollte das nicht mittags nach einer langen Standzeit in der Sonne tun. Morgens, wenn das Auto noch nicht aufgeheizt ist, oder abends nach dem Abkühlen – das sind die besseren Zeitfenster. Kurzes Anwärmen mit dem Föhn danach bringt den Kleber dann in den idealen Zustand, ohne ihn zu überhitzen.